Free Lety! Geschichte eines Konzentrationslagers in Tschechien

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nächste Woche Mittwoch im kleinen Saal am Duisburger Büro der Falken:
Ein Abend zum Konzentrationslager Lety in Tschechien, ein Abend über den Völkermord an Roma und Sinti und ein Abend über den Kampf gegen Vergessen, gegen Verdrängen und gegen fortwährenden und erstarkenden Antiziganismus.          Veranstaltungshinweis bei Facebook

Würdiges Gedenken an den Porajmos statt Schweinemast. Free Lety! Plakatmotive: Zeichnung des Lagers im Hintergrund, davor Schwarzweißfoto einer Reihe von Aktiven, die historische Aufnahmen in Händen halten.

FREE LETY!

Mittwoch, 25. März 19 Uhr
kleiner Saal am Duisburger Büro der Falken
Düsseldorfer Str. 399, 47055 Duisburg – Wanheimerort

ein Abend zur Geschichte eines Konzentrationslagers in Tschechien,
ein Abend zum Porajmos, dem Völkermord an Sinti und Roma und
ein Abend zum Antiziganismus in der Tschechischen Republik

„Zigeunerlager“ – das ist ein furchtbares Wort. Die Nazi bezeichneten damit Konzentrationslager für Rom_nja und Sint_ezze oder Abteilungen darin. Viele Lager mit dieser Bezeichnung gab es. Es gab sie in Deutschland und in den von Deutschland besetzten Ländern. Sie dienten zuerst dazu, „Zigeuner“ zu isolieren, dann dazu sie zu ermorden. Eines dieser Lager war in der tschechischen Stadt Lety.

Hunderte Menschen starben hier, tausende wurden von hier aus nach Auschwitz in den Tod geschickt. Wie zum Hohn wird dort heute eine Schweinemastanstalt betrieben. Trotz jahrelanger internationaler Proteste, trotz jahrelanger Bemühungen lokaler NGO. Unverhohlener Antiziganismus und auch gewaltsame Ausschreitungen sind in der Tschechischen Republik an der Tagesordnung.

Die Roma-Initiative Konexe aus Usti nad Labem bemüht sich seit dem Frühjahr 2014 zum wiederholten Mal darum, dass die Schweinemastanlage geschlossen und auf dem Gelände eine würdige Gedenkstätte errichtet wird.

Aktive von Konexe berichten am Mittwoch, dem 25. März ab 19 Uhr im kleinen Saal am Duisburger Büro der Falken über ihre Arbeit, über Hintergründe zum Lager Lety und die Widerstände und auch über den ganz alltäglichen Antiziganismus in der Tschechischen Republik.

 

hier einige Hintergründe:

 oder auch hier nachsehen: Homepage der Kampagne FREE LETY!

Medieninformation der Organsatoren der Informationstour FREE LETY!

Die Situation der Rom_nja in der Tschechischen Republik ist kritisch. Sie werden auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt, im Schulsystem und in anderen Bereichen ihres Lebens diskriminiert.

Die in Tschechien wie in Deutschland fehlende Erinnerung an den Porajmos, den nationalsozialistischen Genozid an Rom_nja und Sint_ezze, ist ein Teil des Problems.
In Lety u Písku, 80 Kilometer südlich von Prag, befand sich ein Konzentrationslager, in dem Rom_nja inhaftiert wurden. Es wurde 1939 von den tschechischen Behörden als sogenanntes Strafarbeitslager eingerichtet und wandelte sich unter der deutschen Besatzung zu einem Konzentrationslager, in dem ganze Familien unter katastrophalen Bedingungen interniert wurden. Der Tod von mindestens 400 Menschen wurde unter der Lagerleitung von Josef Janovský, einem fanatischen Antiziganisten, gezielt herbeigeführt. Die Überlebenden wurden nach dem sogenannten Auschwitz-Erlass Ende 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Hier ein kurzer
Film über die Geschichte des Konzentrationslagers Lety
von  Paul Polansky     (7:12 min, in englischer Sprache)

Im Jahr 1973 wurde in der ČSSR eine industrielle Schweinemastanstalt auf dem Gelände des einstigen Lagers in Lety errichtet. Diese Farm existiert bis heute und ist nach wie vor in Betrieb. Die ČSSR hat 1975 mit der Schlussakte von Helsinki unterzeichnet, die Gelände des Holocaust zu Orten des Gedenkens und der Ehrfurcht zu machen. Trotzdem suhlen sich bis heute Schweine direkt an dem Ort, an dem Rom_nja ermordet und gefoltert wurden.

Auch mit Zusammenbruch des Sozialismus wurde die Anlage nicht geschlossen, sondern privatisiert. Erst als 1994 zufällig Originaldokumente aus dem Lager auftauchten und veröffentlicht wurden, setzte eine Debatte um die historische Bedeutung des Ortes ein. Seitdem werden die wechselnden tschechischen Regierungen von verschiedenen Romaverbänden, EU und UNO unter Druck gesetzt, die Farm zu kaufen, sie zu schließen und ein würdevolles Denkmal für die Opfer auf dem Gelände zu errichten. Außer Versprechungen und symbolischen Aktionen geschah jedoch nichts.

 

In Bezug auf die mangelnde Aufarbeitung und Anerkennung des Porajmos ist Lety ein europäisches Symbol. Was können wir angesichts des Kampfes um ein würdiges Gedenken in Lety über Erinnerungspolitik in einer Zeit lernen, in der Rom*nja in ganz Europa diskriminiert werden? Eine Vortragstour mit VertreterInnen von Konexe und der Soligruppe gegen Antiromaismus Dresden wird über die Geschichte des Lagers, den Kampf um ein würdiges Gedenken und die Aufarbeitung des Porajmos berichten.

 

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